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Rudi und Kris

Rudi und Kris auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt

Er zog seine rote Kutte aus, schlüpfte in Jeans, T-Shirt und Jack Wolfskind Jacke. Dieser Winter war ja nicht so kalt. Rudolf gab ins Navi "Erfurt" ein und Kris nahm sich noch eine Thermoskanne frischen Tee mit.
"Los , los du Rotnase, ab zum Weihnachtsmarkt, wir kommen sonst noch zu spät."
"Püh, bei dem Wetter Weihnachten zu feiern ist total blöd, da habe ich gar keine Lust."
"Ruhe jetzt!, und flieg los, und denk bloß daran, dass du nicht irgendwo einfach losquatschst. Rentiere können nicht reden."
"Mmmh" machte Rudolf und war stinksauer.
"Aber du darfst jetzt einen auf cool machen was? In Jeans und langem Haar. Wieso hast du dir denn die Haare gefärbt und siehst aus wie ein Hippie? Machst jetzt einen auf Student oder was?"
"Rudi, jetzt hör auf mit deiner Laune. Ich habe es dir X-mal erklärt. Ich bin 24 Jahre …"
"Pffff" Rudolf verdrehte die Augen und grinste über das ganze Maul.
"Hör auf! Ich bin 24 Jahre, Student und mache einen Aushilfsjob auf dem Weihnachtsmarkt."
"Das ist ja echt clever", bemerkte genervt der Nörgler. "Und welche Rolle habe ich?"
"Weiß ich noch nicht, das wird sich ergeben. Aber bleib in meiner Nähe und quatsch nicht wieder die Leute an, die denken sonst wieder ich bin ein Bauchredner."

Endlich ist Rudolf widerwillig am Erfurter Weihnachtsmarkt angekommen.
"Hi, ich soll mich hier melden, wegen des Jobs als Heiliger oder so."
Der Manager schaut in Rudolfs Richtung und brüllt dann los:
"Hey!!, ich habe gesagt Kamel, nicht Elch."
Rudolf ist total beleidigt.
"Kamele waren aus", lügt Kris. "Aber dafür ist das Rentier total Kinderfreundlich und spuckt auch nicht so."
Ok, sagt der Erfurter Weihnachtsmarktmanager.
"Aber dann zieh dir den roten Kittel über, das passt sonst nicht."

"Hey Rudi, jetzt sei nicht beleidigt, der hat eben keine Ahnung vom Nordpol."
"Mmmh, ist schon klar."

In einem kleinen Wald voll mit abgeholzten Nadelbäumen steht Kris und verkauft im Weihnachtsmannkostüm ein paar Bäume für das Heilige Fest. Das Rentier darf dabei von den Kindern gestreichelt werden.
Ein ach so wohl erzogenes kleines Mädchen zieht Rudolf am Fell, so dass er böse zu knurren anfängt. "Daher mag ich Tiere lieber als Menschen" scherzt eine Frau mit Kris.
"Tiere sind wundervoll, wenn sie gut gelaunt sind" sagt Kris mit einem scharfen Blick in Rudis Richtung.
"Aber Menschen reden mit uns und sprechen in wundervollsten Tönen von der Liebe, dem Leben und dem Spaß."
"Das haben sie schön gesagt, in ihrem jugendlichen Leichtsinn. In ihrem Alter habe ich auch noch an die Liebe geglaubt."
Traurig blick sie auf ihre Schuhe und Kris hat großes Mitleid.
"Leben sie allein, wie heißen Sie denn?"
"Ja, ich lebe allein und mein Name ist Margit. Ich habe auch keine Kinder. Es hat sich eben nie ergeben."
"Warum nicht?"
"Es war nie der richtige Mann gekommen."
"Aber vll. wäre das richtige Kind gekommen?"
"Sie meinen, ein Kind ohne seinen wahren Vater aufwachsen zu lassen? Oder gar ein fremdes Kind?" "Ja, warum nicht?"
"Ach das hätte ich nie gekonnt, dazu bin ich zu traditionell erzogen worden."

Kris machte eine lange Pause, streichelte Rudolf ganz sanft.
"Meinen Sie, dass Tiere sich von Traditionen leiten lassen?"
Mit großen Augen schaute Margit ihn an? "Sind sie ein Reisender? Oder was studieren sie?"
"Beides, ich reise einmal im Jahr und studiere Menschen. Was ist ihr schönstes Kindheitserlebnis?" "Ich habe keins, vielleicht einmal mit meiner Tante. Wir waren an der Nordsee und sie baute mit mir stundenlang eine Kleckerburg. Sie hatte sich richtig viel Zeit für  mich genommen. Ich habe jetzt auch viel Zeit"
"Ihre Eltern hatten keine Zeit?"
"Sie haben sich getrennt als ich 4 war, und danach ist mein Vater nie wieder aufgetaucht. Meine Mutter war mit mir wohl überfordert, daher war ich oft bei irgendwelchen Tanten oder Nachbarn."
Rudolf schnaubte wie ein Pferd, bei diesen Worten und scharrte mit einer Hufe. Kris warf ihm einen nachdenklichen Blick zu.
"Vielleicht musste ihre Mutter viel arbeiten, um sie beide durchzubringen?"
"Ja, meine Mutter hat Tag und Nacht bei anderen Leuten geputzt. Dabei war sie eine Musikerin." "Eigentlich war sie eine Heldin."
"Wie bitte?"
"Sie hat ihre Musik einschlafen lassen um das nötige Geld für sie beide zu erwirtschaften."

Es entstand eine lange Pause, in der Margit nachdachte. Sie war so intensiv mit ihren Gedanken verbunden dass sie nicht bemerkte, dass die ganze Zeit ein Mann hinter ihr stand. Er hatte ihr nicht ein einziges Mal ins Gesicht sehen können. Er war auch kein mutiger Mann, was Frauen betraf.  Er zupfte an ihrem Mantel und sagte mit zittriger Stimme:
"Darf ich ihnen meine Kinder vorstellen? Jan und Tina, ich bin geschieden und meine Kinder sind mitten in der Pubertät, ich verstehe nichts von Musik, aber ich möchte ihre Geschichte weiterhören."
"Sagen sie mal was fällt ihnen eigentlich ein? Ich bin doch kein Kindergarten und außerdem kenne ich sie gar nicht."
Beide standen sich mit offenen Mund und großen Augen gegenüber. Eine liebliche Musik einer zarten Frauenstimme war zu hören. Rudolf verdrehte die Augen und schnaubte:
" Schon wieder dieses Gesäusel."
Kris räusperte sich übermäßig laut, stopfte Rudi Heu ins Maul und begann ein Lied zu summen.
"Haben sie das eben gehört?"
"Ja, was war das?"
"Es war das Lied: Ich hab getanzt heut Nacht aus My fair Lady. Meine Mutter sang es mir vor, wenn ich traurig war….ich hatte das ganz vergessen."
"Können sie auch singen?"
"Was soll das, sie sind ganz schön neugierig. Und überhaupt, ich verbitte mir diese Vertrautheiten."

Währenddessen suchte Kris nach weiterem Heu und Wasser für alle Fälle und Rudolf spuckte das Zeug in hohen Bogen wieder aus. Kris fluchte vor sich hin, dass er noch nie gehört hätte das Rentiere schlechte Laune haben könnten und er dies Exemplar vielleicht doch lieber umtauschen sollte, als der Mann, sein Name war Jörg begann, das Tier zu streicheln.
"Sehen sie, sogar der Rudolf hat die Nase voll von ihrem Getue. Wie soll man denn da noch gute Laune behalten? Geben sie sich einen Ruck und lernen sie mich kennen."
Rudolf verschluckte sich gehörig an einem Halm und Kris hielt ihm den Wassereimer hin.
"Ach hören sie doch auf mit diesen Kindergeschichten: Rudolf, das angebliche Rentier vom Nordpol und diese ganzen Weihnachtsquatschgeschichten."
"Sie sind köstlich schlagfertig."
Margit schaute in sein Lächeln und dachte nochmal über alles nach. Ihr Herz pochte aufgeregt als sie tief in seine Augen schaute.
"Ich bin Anfang vierzig und habe noch nie so eine Anmache erlebt."
"Ich frage mich auch die ganze Zeit was ich hier gerade alles so zu ihnen sage? Das ist eigentlich überhaupt nicht meine Art fremde Frauen einfach so anzusprechen. Bitte entschuldigen sie mich." Er trag einen Schritt zurück und wollte sich schon zum Gehen wenden, da trat Margit einen Schritt auf ihn zu und bat ihn zu bleiben.
"Weißt du, äh sie, ich meine, ich würde gern die Kinder kennenlernen und ich mag es, wenn man mir zuhört, und ich bin eigentlich gar nicht so zickig, und ich kann auch gut singen, und bitte erzählen sie ähm, ich weiß jetzt auch nicht, eine sehr dumme Situation nicht wahr?"

Es dauerte eine Weile bis Jörg sich gefangen hatte und einfach, ohne irgendwie darüber nachzudenken sagte:
"Weißt du was? Ich hole dir jetzt eine heiße Schokolade und dann singst du mir etwas vor."
"Was, hier auf dem Weihnachtsmarkt?, das traue ich mir denn doch nicht. Aber, das klingt jetzt bestimmt auch sehr ungewöhnlich, aber dieses ganze Situation ist ja sehr ungewöhnlich, also, was halten sie davon, wenn ich sie und ihre Kinder zu einem Kaffee oder Tee zu mir einlade? Wenn ihnen das nicht zu aufdringlich ist natürlich."
"Eigentlich könnten wir doch beim DU bleiben oder, ich bin Jörg …"
Die beiden schlenderten weiter und schienen sich sehr gut zu unterhalten…

"Wenn du mir noch einmal dieses Zeug ins Maul stopfst. Ich fresse nichts, wo andere Leute drüber gelatscht sind. Ich will endlich wieder Schokoladenplätzchen und Schnee!!!"
"Denn bekommst du jetzt."
"So und wie denn, ich spüre hier keinen Schnee. Wenn es wenigstens kalt wäre. Sag mal hörst du mir zu? Was grinst du denn so?"
Kris streichelte sich über den Bauch.
"Ich liebe es wenn sich Menschen lieben und das Leben entdecken. Dabei schaute er immer noch Margit und Jörg hinterher.
"Los, du schlechtgelauntes Tier. Ab geht es, vor Weihnachten müssen wir noch einige Menschen glücklich machen"
"Wo geht es denn hin?" maulte Rudolf. "Nach Schneeberg." "Juchuuuu"

(geschrieben Katrin Treydte 2014)

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